Brühl

  • Mittelgroße Stadt im südlichen Rhein-Erft-Kreis, am östlichen Rand des Naherholungsgebietes Ville
  • Rund 46.000 Einwohner
  • Anteil Kinder (bis 14 Jahre) an der Gesamtbevölkerung: 12,5 Prozent

Die Berücksichtigung von Kinderbelangen in der Verkehrswelt hat in Brühl Tradition: Bereits seit rund 20 Jahren ist der Kinderschutzbund sowohl im Ausschuss für Verkehr und Mobilität als auch im Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung mit beratender Stimme vertreten. Damit ist sichergestellt, dass unabhängig von speziellen Programmen Kinderbelange in allen Planungsfragen Gehör finden.

Seit 1998 gibt es außerdem eine Kinderunfallkommission. Sie setzt stetig Maßnahmen um, die zur Förderung der eigenständigen und sicheren Mobilität von Kindern und Jugendlichen beitragen und wurde für ihr Engagement im Jahr 2005 vom Umweltminister ausgezeichnet.

Im Rahmen der schulischen Mobilitätserziehung erhalten Kinder und Jugendliche in Brühl zusätzlich wichtige Tipps zum Verhalten im Straßenverkehr. Um Kinder und Jugendliche noch mehr für den Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu begeistern und um den Trend zum „Elterntaxi“ umzukehren, gibt es alljährlich neue individuelle Schulwegpläne für die Grundschulen und entsprechende individuelle Schulwegratgeber für die weiterführenden Schulen.

Brühl hat über 80 verkehrsberuhigte Bereiche. Um Autofahrern und Anwohnern die Bedeutung dieser Bereiche nahezubringen, werden seit 1997 in Kooperation von Stadt, Kinderschutzbund und Polizei regelmäßig Straßenspielaktionen durchgeführt. Dabei lernen die Kinder, sich räumlich zu orientieren und sich selbständig zu bewegen – und Autofahrer werden gezielt über die kinderfreundlichen Regelungen des verkehrsberuhigten Bereichs aufgeklärt.

An der Planung verschiedener baulicher Maßnahmen hat die Stadt Brühl Kinder und Jugendliche bereits beteiligt. So konnten die jungen Bewohner der Stadt Brühl zum Beispiel bei der Spielplatzplanung und bei der Planung der Dirtbikeanlage und der Skateranlage ihre Wünsche und Vorschläge einbringen.

Als Gründungsmitglied der „Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen“ (AGFS) hat Brühl ein zusammenhängendes, modernes Radverkehrsnetz, sodass eine ordentliche Infrastruktur für das einzige Individualverkehrsmittel von Kindern zur Verfügung steht.

Als Partnerkommune der Kampagne „Mehr Freiraum für Kinder – ein Gewinn für alle!“ möchte die Stadt Brühl an ihre bereits erreichten Erfolge anknüpfen und die eigenständige Mobilität von Kindern und Jugendlichen noch weiter fördern.

In enger Kooperation mit dem Kinderschutzbund möchte die Stadt außerdem verschiedene Aktionen durchführen, mit denen sich Kinder ihre Freiräume im öffentlichen (Straßen-)Raum (zurück-)erobern können. Gleichzeitig sollen diese Aktionen dazu führen, dass Eltern und andere Verkehrsteilnehmer diesen berechtigten Anspruch der Kinder im Bewusstsein verankern.

Um dem Trend „Elterntaxi“ entgegenzuwirken, sollen Kinder in die Gestaltung ihrer täglichen Wegstrecken eingebunden werden, sodass diese für sie attraktiver werden und von ihnen als „ihre“ Wege angesehen werden.

Die Teilnahme an der Kampagne hilft der Stadt Brühl dabei, ihre zahlreichen Engagements in einem Konzept zu bündeln und in einem integrierten Ansatz umzusetzen.

Der Auftaktworkshop fand am 22. Februar 2017 im Rathaus Brühl statt. Beteiligt waren neben dem Bürgermeister verschiedene relevante Fachbereiche aus allen drei Dezernaten der Stadtverwaltung, der Kinderschutzbund, der VRS und das Planungsbüro STADTKINDER. Insgesamt waren 17 Personen anwesend. Ziel des Workshops war es, Themen, Qualitäten und konkrete Projekte für die Umsetzung der Kampagne „Mehr Freiraum für Kinder. Ein Gewinn für alle!“ in Brühl zu erarbeiten. Mögliche Themenfelder der Kampagne präsentierte Frau Lehmann vom Planungsbüro STADTKINDER den Teilnehmenden zunächst in einer anschaulichen Präsentation. Die Teilnehmenden erstellten dann eine Liste mit den bestehenden, aktuellen und geplanten Projekten in Brühl. Um diese sinnvoll mit den Zielen der Kampagne zu verknüpfen, wurde im Anschluss darüber abgestimmt, welche Qualitätsziele aus den Bereichen Verkehr und Mobilität, Grün- und Freiräume, Spiel und Sport, Wohnumfeld und öffentlicher Raum sowie Beteiligung von jungen Menschen am wichtigsten sind. Zu den Qualitätszielen mit den meisten Stimmten gehörten:

  • Straßenbegleitende Gehwege großzügig und variantenreich gestaltet, z.B. durch wegbegleitende Balancierelemente
  • Mehrfachnutzung von Grünflächen als Spiel-, Erlebnis- und Aufenthaltsbereiche ermöglichen
  • Erreichbarkeit von Spielplätzen und Sicherung der Übergänge zum Verkehrsraum gewährleisten
  • Spiel und Aufenthalt von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auf Plätzen zulassen
  • Entwicklung von generationsübergreifenden Ansätzen und Formaten der gemeinsamen Beteiligung von Kinder, Jugendlichen und Senioren
  • Verankerung der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen als Planungsprinzip

Im Anschluss erarbeiteten die Teilnehmenden in zwei gemischten Kleingruppen, wie man die bestehenden Projekte in Brühl durch die erarbeiteten Qualitäten ergänzen kann. Dazu gehörte u.a. weitere Spielmöglichkeiten in der Innenstadt zu schaffen und daran Kinder und Erwachsene zu beteiligen sowie im Rahmen der „Streetwork“ in Brühl gemeinsam mit Jugendlichen mögliche Aufenthaltsorte festzulegen. Außerdem entwickelten die Gruppen Ideen für neue Aktionen oder Veranstaltungen, mit denen die Qualitätsziele auch für die Öffentlichkeit sichtbar werden. Zu den Ideen gehörten u.a. Spiel- und Aufmerksamkeitspunkte im öffentlichen Raum, wie Hüpfkästen oder bunte Pflastersteine an Querungsstellen und generationsübergreifende Aufenthaltsplätze und Rastflächen.

Zukunftswerkstatt

Im Rahmen der Kampagne „Mehr Freiraum für Kinder – ein Gewinn für alle!“ fand am 14. Juni eine Zukunftswerkstatt mit Kindern der St.-Franziskus-Grundschule in Brühl statt. Der Tag war ganz dem Schulweg und einem bespielbaren Umfeld gewidmet, das zum Bewegen und Spielen im Freien einlädt.

Bei einer Stadtbegehung identifizierten die Schüler zunächst die besonders brisanten Stellen auf ihrem Schulweg – zum Beispiel eine Kreuzung, die regelmäßig von Autos zugeparkt ist. Sie nehmen den Kindern die Sicht auf den fahrenden Verkehr – und umgekehrt. Das ist nicht nur gefährlich, es führt auch dazu, dass die Kinder oft lange warten müssen, bis sie die Straße überqueren können.

Für solche und ähnliche Situationen dachten die Schüler anschließend im Klassenraum über mögliche Lösungsansätze nach. Die entwickelten sie gemeinsam mit den Mitarbeitern des Planungsbüros STADTKINDER und einer Mitarbeiterin des Brühler Kinderschutzbundes.

Ihre Ideen veranschaulichten die Kinder dann in kreativen Modellen: Bunte Hüpfsteine, regenbogenfarbene Zebrastreifen, Klettergerüste und viele andere Spielmöglichkeiten entlang des Schulwegs wünschen sie sich. Farbige Elemente und Erhöhungen machen nicht nur Spaß, sie erregen auch Aufmerksamkeit bei anderen Verkehrsteilnehmern.

Die Modelle stellten die Kinder noch am selben Tag der Schulleiterin Barbara Habets und dem Bürgermeister Dieter Freytag vor. Der war von den kreativen Ideen der Schüler beeindruckt. In der Stadtverwaltung werden sie zukünftig bei der Planung neuer Maßnahmen für eine bespielbare Stadt einbezogen werden und Impulse für neue Maßnahmen liefern.

Fotos © Kinderschutzbund Brühl, Annegret Neumann

Bemalungsaktion in der Innenstadt

Am 8. Juli ging es in Brühl bunt zu: Zwölf Kinder des Schülerparlaments der St.-Franziskus-Schule bemalten den Platz „an der Bleiche“ in der Brühler Innenstadt. Sie verzierten den Asphalt mit vorher in den Klassen ausgewählten Spielen – „Mensch ärgere dich nicht“, „Himmel und Hölle“ und „das Hunderterfeld“. Die Aktion wurde gemeinsam vom Kinderschutzbund Brühl, der Stadt Brühl und der St.Franziskus-Schule organisiert und durchgeführt. Die vielen bunten Farben spendierte die Brühler Kinderufallkommission. Bürgermeister Dieter Freytag begutachtete im Anschluss selbst die bunten, bespielbaren Werke und freute sich über das schöne Ergebnis und einen weiteren Schritt hin zu einer kinderfreundlichen Gestaltung von Straßen und Plätzen.

Fotos © Kinderschutzbund Brühl, Annegret Neumann

Der Verstetigungsworkshop fand am 18.12.2017 im Rathaus Brühl statt. Unter den insgesamt 13 Teilnehmenden waren die MitarbeiterInnen verschiedener Fachbereiche der Stadt, zwei MitarbeiterInnen des StadtService Brühl sowie eine Vertreterin des Deutschen Kinderschutzbundes. Frau Wiegand vom Zukunftsnetz Mobilität NRW sowie Frau Hüls und Herr Apel vom Planungsbüro STADTKINDER standen den Teilnehmenden beratend zur Seite.

Zunächst warfen die Teilnehmenden einen Blick auf die Qualitätsziele, die sie beim Auftaktworkshop im Februar 2017 als besonders wichtig erachtet hatten. Im Anschluss betrachteten sie die aktuell laufenden Projekte und hielten Vereinbarungen zur weiteren Vorgehensweise fest.

Dabei ging es u.a. um die folgenden Themen:

  • Bespielbare Stadt Die Bespielbare Stadt ist ein Leitprojekt in Brühl. Dabei sollen öffentliche Plätze mit verschiedenen Elementen für Kinder bespielbar gemacht werden. Ein Beispiel: Während der Kampagnenlaufzeit entstand auf der Bleiche, einem innenstadtnahen öffentlichen Platz, ein aufgemaltes „Mensch Ärgere Dich nicht“-Spiel (siehe Menüpunkt: „Laufende Aktivitäten“).
  • Citytreff Der Citytreff ist ein offener Treffpunkt für Jugendliche. Er wird auch ein Standort für den Streetworker, der dann durch seine Präsenz vor Ort für die Jugendlichen besser erreichbar ist.
  • Mobilitätsplan Für die Gesamtstadt wird ein Mobilitätsplan erstellt. Dieser beinhaltet viele Anschlusspunkte an die Zielsetzung und fachliche Ausrichtung der Kampagne „Mehr Freiraum für Kinder. Ein Gewinn für alle!“. Insbesondere die Nahmobilitätsanforderungen von Kindern und Jugendlichen möchte die Stadt in den Mobilitätsplan einarbeiten.
  • Verankerung der Qualitätsziels Kinder- und Familienfreundlichkeit Die Stadt Brühl bezieht sowohl das Jugendamt als auch den Kinderschutzbund ein, wenn es um Vorhaben der räumlichen Planung geht. Außerdem möchte sie Kinder und Jugendliche aktiv an Maßnahmen der Stadtentwicklung und -erneuerung sowie an der Freiraumplanung beteiligen. Dafür gilt es, Methoden und ein Beteiligungskonzept zu entwickeln. Kinder und Jugendliche sollen projektbezogen beteiligt werden. Ein wichtiger Baustein ist dabei auch ein Jugendparlament, das neu gegründet werden soll. Auch Schulen sind wichtige Partner und sollen zukünftig stärker in die kommunale Entwicklung eingebunden werden.

Hier gibt es das Konzept der Stadt Brühl zum Download

Stadt Brühl Ulrich Kalle, Fachbereichsleiter ÖPNV, Mobilität und Verkehr

50319 Brühl

Tel.: +49 (0)2232 / 79-5300

E-Mail: ukalle@bruehl.de