Euskirchen

  • Kreisstadt im Südwesten Nordrhein-Westfalens
  • Mit rund 57.000 Einwohnern eine mittelgroße Stadt zwischen Eifel und Rheinschiene
  • Anteil Kinder und Jugendliche an der Gesamtbevölkerung: 18,4 Prozent

Mit 54 Kinderspielplätzen und 16 Bolzplätzen sowie der bespielbaren Innenstadt stehen den Kindern in Euskirchen öffentliche Flächen zur Verfügung. Im Rahmen eines Spielraumentwicklungsplans und unter Mitwirkung von Kindern greift die Stadt regelmäßig neue Bedarfe auf und passt bestehende und neu entstehende Flächen daran an.

Als Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW ist es der Stadt Euskirchen ein wichtiges Anliegen, Radwege miteinander zu vernetzten. Denn Kinder können nur dann selbstständig mit dem Rad zur Schule oder in der Freizeit unterwegs sein, wenn die Radverbindungen sicher und gut vernetzt sind. Die Mehrheit der Schüler/innen hat schon jetzt die Möglichkeit, fußläufig, per Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Schule zu erreichen. Vor den Kitas und Schulen hat die Stadt Tempo 30-Zonen, Halteverbote und Fußgängerüberwege eingerichtet. Diese Maßnahmen sollen das Verkehrsaufkommen durch „Elterntaxis“ während der Bring- und Abholzeiten verringern.

Für Kinder, die zu Fuß zur Schule gehen möchten, gibt es in Euskirchen bereits Initiativen wie den „Walking Bus“. Dafür machen sich Schülergruppen, begleitet von einem Erwachsenen, zu Fuß auf den Weg zur Schule. Wie ein Linienbus läuft der Walking Bus verschiedene Haltestellen nach „Gehplan“ an und holt dort wartende Kinder ab. Und wenn es mal der fahrende Linienbus sein soll, können Erstklässler jedes Jahr zum Schulanfang gemeinsam mit ihren Eltern kostenlos mitfahren und den selbständigen Schulweg üben.

Für den Ortsteil Kuchenheim hat die Stadt ein integriertes Handlungskonzept entwickelt, aus dem umfassende Gestaltungsmaßnahmen hervorgehen. Hier sollen nach Bürgerbeteiligung die Wünsche und Interessen von Kindern gesondert aufgenommen und in die Planung einbezogen werden.

Im Vorfeld der Kampagne hat die Stadt die Leitungen von Kindertageseinrichtungen und Schulen sowie die Verkehrsbehörden als Experten schriftlich mithilfe eines Fragebogens zur aktuellen Lage bezüglich Kinderfreiräumen und Verkehrswegen in Euskirchen befragt. Gleichzeitig wurden sie über eine Teilnahme der Stadt als Modellkommune informiert.

Mit der Teilnahme an der Kampagne „Mehr Freiraum für Kinder – ein Gewinn für alle!“ möchte die Stadt Euskirchen die selbständige Fortbewegung von Kindern und Jugendlichen im öffentlichen Raum weiter fördern und Freiräume für Kinder schaffen und langfristig sichern. Ein wichtiger Punkt ist dabei, Kinder und Jugendliche an planerischen Prozessen zu beteiligen. Außerdem gilt es, den fachübergreifenden Austausch innerhalb der Verwaltung zu stärken und bereits bestehende Projekte und Vorhaben mit der Kampagne zu verknüpfen.

Um insbesondere die Verkehrssicherheit vor Schulen und Kitas zu erhöhen, soll das Aufkommen an Elterntaxis in diesen Bereichen verringert werden – dazu ist es wichtig, sichere Fuß- und Radwege zu schaffen und die Eltern zu informieren und zu sensibilisieren.

In Referenzquartieren, wie den Stadtteilen Flamersheim und Kuchenheim, sollen Ideen und Projekte zur kinder- und familienfreundlichen Stadtgestaltung erarbeitet werden.

Der Workshop fand am 01.02.2016 im Emil-Fischer-Gymnasium gegenüber der Stadtverwaltung statt. Die Gruppe umfasste 14 Teilnehmer/innen aus verschiedenen Fachbereichen, der Verkehrswacht und der örtlichen Polizei. Auch die Verwaltungsspitze war durch den 1. Beigeordneten und den technischen Beigeordneten vertreten. Zwei Berater des Planungsbüros STADTKINDER unterstützten die Gruppe beim Erarbeiten von Ideen für die Kampagne. Dabei wurde auch auf die Ergebnisse der Expertenbefragung zurückgegriffen.

Ziel des Workshops war es, bestehende Projekte im gesamten Stadtgebiet und insbesondere in den Ortsteilen Flamersheim und Kuchenheim zu betrachten und zusätzlich neue Ideen und Aktionen zu entwickeln. Dazu notierten die Teilnehmer die für sie relevanten Projekte und Vorhaben aus ihrer alltäglichen Arbeit auf Karteikarten. Nach und nach entstand so an einer Pinnwand eine ausführliche und übersichtliche Liste mit insgesamt 24 Aufgaben, die in Euskirchen näher betrachtet werden können. Dazu gehören fortlaufende Projekte wie die Kinderspielplatzbedarfsplanung und die Spielraumentwicklungsplanung, die Bewegungsförderung in Kitas und Schulen und der Walking Bus sowie temporäre Aktionen wie die Teilnahme am Weltspieltag.

In Kleingruppenarbeit entwickelten die Teilnehmer anschließend neue Impulse, die sich im Rahmen der Kampagne „Mehr Freiraum für Kinder – ein Gewinn für alle!“ ergeben könnten. Einige Ideen waren hier die Einrichtung von Sicherheitsinseln auf vielbefahrenen Straßen und zusätzlich zum Walking Bus auch einen Cycling Bus einzurichten. Es gab außerdem die Idee, Verkehrstrainings für Kinder und Eltern anzubieten oder Streifzüge mit Kindern im Stadtgebiet durchzuführen, um sie auf diesem Weg an Planungen zu beteiligen. Gemeinsam bestimmten die Teilnehmenden anschließend die Ideen, die sich primär als Starterprojekte in 2016 eignen. Sie einigten sich auf die Projekte „Hol- und Bringverkehr“ sowie „Streifzüge mit Kindern und Jugendlichen zur Beteiligung an Stadtplanung- und Gestaltung“, hier im Rahmen des IHK Kuchenheim.

Verkehrstraining

verkehrstraining

Die Verkehrspolizei und der Vater eines Kita-Kindes boten am 25.06.2016 gemeinsam einen Kinderrad-Parcours an. Genutzt wurde der Schulhof der KGS Franziskusschule. Ungeachtet des Regens trainierten die Kinder ihre Motorik speziell für ein sicheres Radfahren. Die Eltern erhielten Tipps, wie sie zu Hause mit ihren Kindern weiterüben können. Die Kinder werden dadurch auf eine altersgerechte und zunehmend selbstständigere Teilnahme am öffentlichen Verkehr vorbereitet. Eltern lernen, die Fähigkeiten ihrer Kinder bei der Teilnahme im Verkehr einzuschätzen und zu vertrauen. Alle Teilnehmer/innen haben die Übungen sehr erfolgreich absolviert und erhielten am Ende eine Urkunde.

Neuer Spielpunkt: Maltafel

maltafel

Basierend auf dem Vorschlag, für die Kinder mehr Freiflächen zum Malen im öffentlichen Raum auszuweisen, wurde auf einer Wiesenfläche neben einer vorhandenen Sitzbank eine Maltafel aufgebaut. Sie befindet sich am Gehweg, der zur Kita führt. Sie wurde am 25.07.2016 von einer Kita-Gruppe eingeweiht. Anlässlich dieses Treffens erhielt jedes Kita-Kind ein Starterpäckchen mit Kreide. Die gegenüberliegenden Seniorenwohnungen wurden wegen Übernahme einer Patenschaft angefragt.

Hol- und Bringverkehr an Schulen und Kitas

Um das Verkehrsaufkommen rund um die Hermann-Josef-Grundschule zu verringern, entstand die Idee, für die Kinder auch dort einen Walking Bus einzuführen. Nachdem das Projekt im April 2016 der Elternpflegschaft vorgestellt wurde, fand im Mai ein Infoabend für alle interessierten Eltern statt und schließlich im Mai ein Probelauf mit Eltern und Kindern, der für große Begeisterung sorgte. Die Stadt bestellte daraufhin Halteschilder aus Metall, um die Stationen des Walking Bus gut sichtbar zu machen.

Streifzüge in Kuchenheim zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

Zunächst schulte das Planungsbüro STADTKINDER im Juni 2016 alle Begleiter/innen der geplanten Streifzüge. In Kooperation mit der Grundschule Kuchenheim gingen dann Anfang Juli drei Schüler/innengruppen aus den 1., 2. Und 4. Klassen mit je zwei Begleiter/innen auf den Weg, den die Kinder vorgaben. Beginn und Ende war auf dem Schulhof. Die Kinder brachten ihre Ideen und Vorschläge ein, wie verschiedene Stellen an ihre Bedürfnisse angepasst und verbessert werden können. Die Ergebnisse wurden in einer Dokumentation zusammengefasst und Aktionsfelder bestimmt.

Einen Teil der Vorschläge bearbeitete die Stadtverwaltung kurzfristig – zum Beispiel, an einer Vogelnestschaukel einen fehlenden Sitz zu ergänzen. Die weiteren Aktionsfelder wurden in mittel- und langfristige eingeteilt und nach Zuständigkeiten gelistet. Sie wurden unter Fortsetzung der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, z.B. innerhalb von Planungswerkstätten, umgesetzt. Um die Finanzierung zu sichern, prüfte die Stadt die Verfügbarkeit von städtischen Haushaltsmittel, Fördermitteln oder Spenden.

Im Rahmen der Kampagne „Mehr Freiraum für Kinder. Ein Gewinn für alle!“ hat die Stadt Euskirchen zunächst wichtige Ziele und Schwerpunkte erarbeitet.

Die wichtigsten Punkte waren dabei, die selbständige Fortbewegung von Kindern und Jugendlichen im öffentlichen Raum weiter zu fördern sowie Freiräume für Kinder zu schaffen und diese langfristig zu sichern. Dabei war es der Stadt Euskirchen ein Anliegen, Kinder und Jugendliche an planerischen Prozessen zu beteiligen. Außerdem galt es, den fachübergreifenden Austausch innerhalb der Verwaltung zu stärken.

Im Auftaktworkshop fiel zudem der Beschluss, im Referenzquartier Kuchenheim Streifzüge mit Kindern und Jugendlichen zur Beteiligung an der Stadtplanung- und Gestaltung durchzuführen.

Diesen Vorhaben hat sich die Stadt während der Förderperiode im Jahr 2016 gewidmet (siehe Menüpunkt: Aktivitäten im zurückliegenden Prozess). Insbesondere die Streifzüge mit Kindern und Jugendlichen durch den Stadtteil Kuchenheim waren ein voller Erfolg und richtungsweisend für zukünftige und über die Kampagne hinausgehende Projekte. Hier können Sie die Auswertung der Streifzüge in Kuchenheim einsehen.

Beim Abschlussworkshop am 02.12.2016 vereinbarten die Teilnehmenden dann zukünftige Projektbereiche und nächste Schritte, die nun im Konzept festgehalten sind:

Ortsteil Kuchenheim

  • Spielplatz Kuchenheim, u.a.: Potentielle Fläche Bachstraße, Aufnahme in den Spielentwicklungsplan 2017-2020, Kooperation mit NABU, Schulen etc., Erlebbarkeit des Wassers, naturnahes Spielen.
  • Kuchenheimer Straße Verkehr, u.a. Fokus auf alle Verkehrsarten und Verkehrsteilnehmer, Erhöhung der Durchlässigkeit/Querungen, frühzeitige Beteiligung der Bewohner
  • Weitere Projekte/Maßnahmen in Kuchenheim, u.a. fachbereichsübergreifender Austausch zu Jugendtreffpunkt, Jour Fixe zur Quartiersaufwertung, Einbeziehung der Schule(n) in Beteiligungsverfahren

Bahnhof Euskirchen, u.a.:

  • Treffpunkt von Jugendgruppen, Imageaufwertung durch Öffentlichkeitsarbeit, genaue Ermittlung des allgemein wahrgenommenen Angstraumes, Erneuerung der Beleuchtung

Stärkung der Nahmobilität Kernstadt und Ortsteile

  • Aufstellung Mobilitätskonzept
  • Umfeld Bahnhof Kuchenheim
  • Walking Bus an Schulen
  • Einrichtung von Elterntaxi-Haltezonen

Stärkung selbständige Mobilität von Kindern, u.a.:

  • Fußweg-Tag für Kitas
  • Spielstraßen auf Zeit
  • Weltspieltag
  • Sicherheitstrainings
  • Elterninformationsabende

Die Projekte wird die Stadt Euskirchen schrittweise umsetzen. Um das Anliegen für mehr Freiraum für Kinder nachhaltig im Blick zu behalten, sollen in der Verwaltung zukünftig frühzeitige und regelmäßige Abstimmungsgespräche stattfinden.

Hier können Sie das gesamte Konzept der Stadt Euskirchen einsehen.

Stadt Euskirchen, Fachbereich Schulen, Generationen und Soziales

Melanie Barth

Kölner Straße 75

53879 Euskirchen

Tel.: 02251/14398

Email: mbarth@euskirchen.de