Kinder erobern die Straßen von London

Kinder erobern die Straßen von London

Im Londoner Stadtteil Hackney erobern Kinder die Straßen zurück – dank eines wegweisenden Modells, das es Anwohnern ermöglicht, ihre Straßen regelmäßig für mehrere Stunden zu sperren und sie in Spielstraßen zu verwandeln.

Die Straße ist mit Girlanden und Luftballons geschmückt, ein Fußballtor steht auf der Markierung, Bälle fliegen durch die Gegend, in der Mitte der Straße ist ein Klapptisch aufgebaut – dort kann sich, wer vom Toben und Spielen kurzzeitig müde geworden ist, mit Essen und Getränken stärken. Dann kann es weitergehen mit Seilspringen, Kreidemalen und Rollschuhfahren. An beiden Enden der Straße verkünden rote Schilder mit weißer Schrift in Großbuchstaben: Road ahead closed! Straße gesperrt!

Auf über 43 Straßen im Ost-Londoner Stadtteil Hackney kommen Kinder, Jugendliche, Nachbarn und Anwohner regelmäßig zu solchen „play sessions“ zusammen – zum Spielen, Toben, Bewegen, zum Reden und zum gegenseitigen Kennenlernen.

Spielstraße auf Antrag

Möglich macht das eine Richtlinie der Gemeinde Hackney: Bewohner können beantragen, ihre Straße wöchentlich oder monatlich einige Stunden lang für den motorisierten Verkehr zu sperren, sodass Kinder in ihrer direkten Nachbarschaft regelmäßigen Freiraum zum Spielen und Bewegen haben.

Die Umsetzung organisiert die Gemeinde gemeinsam mit der Hackney Play Association. Die lokale gemeinnützige Organisation setzt sich für einen kinderfreundlichen Stadtteil mit Spielmöglichkeiten im Freien ein. Neben ihrem Engagement für die Spielstraßen betreibt sie auch einen integrativen Spielplatz und einen Spielpark mit verschiedenen Aktivitäten für Kinder und Jugendliche. Sie motiviert und unterstützt die Bewohner von Hackney dabei, Spielstraßen zu beantragen und „play sessions“ durchzuführen.

Und so funktioniert’s: Wer seine Straße in eine Spielstraße verwandeln möchte, holt zunächst die Nachbarn mit ins Boot, erklärt ihnen das Konzept – persönlich an ihrer Haustür oder bei einem Nachbarschaftstreffen. Mit einer Unterschriftenliste kann man anschließend ein Antragsformular bei der Gemeinde ausfüllen. „Nach unserer Erfahrung hilft die persönliche Ansprache der Nachbarn dabei, sie von der Idee zu überzeugen“, sagt Claudia Draper, die bei der Hackney Play Association für das Spielstraßenprojekt zuständig ist. Sie unterstützt Eltern und Anwohner beim gesamten Prozess, vom Antrag bis zur Durchführung.

Austoben, Freundschaften schließen, Nachbarn kennenlernen

Bisher hat die Gemeinde keinen Antrag zurückgewiesen – und so bereits tausenden Kindern viele Spielstunden im Freien ermöglicht. „Dank der Spielstraßen können die Kinder sich austoben und neue Freundschaften schließen, was sonst in der Form nicht möglich wäre“, berichtet Draper. „Viele Eltern berichten außerdem, dass dank der Spielstraßen auch die Erwachsenen sich draußen treffen und austauschen. Das stärkt den Zusammenhalt der gesamten Nachbarschaft.“

Das Projekt in Hackney basiert auf dem Modell der überregional agierenden Non-Profit Organisation Playing Out, die ein landesweites Netzwerk für mehr Spielmöglichkeiten und Freiräume für Kinder aufgebaut und das erste Spielstraßenprojekt Großbritanniens in Bristol ins Leben gerufen hat.

Fotos © Hackney Play Association

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