Kinderwege durch Kiel

Kinderwege durch Kiel

„Wir arbeiten die Stadt zurzeit im Hinblick auf Fußwegeachsen durch“, sagt Christian Stamer vom Tiefbauamt der Stadt Kiel. Im Durchschnitt erfasst das Amt zwei Ortsbereiche pro Jahr und definiert Wegeachsen, die wichtig für die kleinen, aber auch für die erwachsenen Bürger Kiels sind. Verbesserungsbedürftige Querungsstellen, schelchte Beleuchtung, parkende Fahrzeuge, die die Sicht der Fußgänger behindern, oder Barrieren für mobilitätseingeschränkte Menschen sind Themen, mit denen sich Stamer und seine Kollegen dann auseinandersetzen.

Eine Besonderheit in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt: In Kiel beteiligt man auch die Kinder an der Stadtentwicklung – und das bereits seit zehn Jahren. Ein Beispiel: Kinderwege werden systematisch erfasst und gehen in die Verkehrsentwicklungspläne ein. Um die Sicht der Kinder einzufangen, nutzt das Kieler Tiefbauamt seit 2011 sogenannte Wegetagebücher. Das sind schriftliche Befragungen von Grundschulkindern, für die das Tiefbauamt mit Schulen zusammenarbeitet.

Der Aufwand für die Einbeziehung der Kleinen ist überschaubar, weil sich dafür ein einfach wiederholbares Procedere eingespielt hat. Angefangen hatte man die Beteiligung der Kinder in Kiel mit moderierten Kindergesprächen, was sich in der Praxis aber als zu kompliziert und aufwändig zeigte. Jetzt wird die Erfassung der Kindersicht in den Unterricht der vierten Klassen eingebaut. Dafür gibt es eine Kooperation mit den Grundschulen, vermittelt vom städtischen Kinder- und Jugendbüro. Die Lehrer arbeiten mit den Kleinen ein vom Tiefbauamt entwickelte Wegetagebuch durch. Darin finden die Kinder Landkarten, auf denen sie ihre Wege zur Schule einzeichnen und Wochentagbücher, in die sie Auskunft über die Streifzüge durch ihr Viertel geben. Auch Orte, die die Grundschüler als unangenehm oder gefährlich empfinden, werden abgefragt.

Das Tiefbauamt wertet die Ergebnisse aus und analysiert sie. So zeigt sich laut Stamer schnell, welche Wege wichtige Fußgängerachsen für Kinder und Erwachsene sind und wo Handlungsbedarf hinsichtlich besserer Fußverbindungen oder Barrierefreiheit besteht – Erkenntnisse, die in die Planungen zukünftiger Maßnahmen einfließen. „In den Entscheidungsgremien stoßen die Untersuchungsergebnisse der Kinderbefragungen auf viel Akzeptanz. Oft sind sie ein wichtiges Argument, wenn Prioritäten für den Wegeunterhalt und andere Maßnahmen festgelegt werden“, sagt Stamer.

Text: Elke Hoffmann

Kurz und knapp

Beteiligte Ämter und Partner: Tiefbauamt, Kinder- und Jugendbüro, Grundschulen

Externe Kosten der Kinderbefragung: Druckkosten der Wegetagebücher; Auswertung der Fragebogen

Internet: www.kiel.de/leben/verkehr/projekte/fusswegeachsen_und_kinderwege/index.php

Wegetagebuch: http://www.kiel.de/leben/verkehr/projekte/fusswegeachsen_und_kinderwege/_dokumente/2012-9-25_Wegetagebuch_fuer_Kinder_mit_Plan.pdf