Autofrei wohnen in Köln

Autofrei wohnen in Köln

„Hier ist die Straße der Spielplatz“, sagt Hans-Georg Kleinmann vom Bewohnerverein Nachbarn60 e.V. Kein Wunder also, dass die autofreie Siedlung im Kölner Stadtteil Nippes vor allem bei Familien beliebt ist. Auf dem insgesamt 5 Hektar großen Gelände des ehemaligen Eisenbahn-Ausbesserungswerks gibt es zahlreiche angelegte Spielplätze. Hier eine spannende Holzlokomotive, da ein aufregendes Baumhaus, Tischtennisplatten auf einer grünen Wiese … Die Möglichkeiten zum freien Spielen für Kinder sind zahlreich und vielfältig. Der Unterschied zu vielen anderen Wohngebieten in Köln. Die Möglichkeit zu spielen, zu rennen und zu toben ist nicht auf die expliziten Spielflächen beschränkt. Denn im gesamten Wohngebiet fahren keine Autos. „Dadurch verlieren angelegte Spielplätze und private Gärten an Bedeutung“, erklärt Kleinmann, „denn Kinder wollen zum Spielen auf die Straße, das ist spannender.“ Genau das bietet die autofreie Siedlung, in der in rund 460 Haushalten etwa 1500 Menschen leben. „Hier können Kinder unbeschwert auf der Straße spielen, so wie ich das noch von früher aus meinem kleinen Heimatort kenne“, sagt Kleinmann – und das mitten in der Großstadt Köln.

Der Bewohnerverein der Siedlung, die auch „Stellwerk 60“ genannt wird, bietet den Bewohnern außerdem eine Mobilitätsstation. Neben praktischen Angeboten, wie dem Verleih von Sackkarren und Fahrradanhängern, kann man dort auch Spielzeuge für Kinder ausleihen. „An verschiedenen Stellen innerhalb der Siedlung – die Kinder kennen diese meistens schon genau – stehen insgesamt fünf Gokarts zur Verfügung“, sagt Kleinmann. In der Mobilitätsstation holen sich die Kinder den Schlüssel ab, tragen sich in eine Liste ein und schon kann es losgehen. Außerdem werden Pedalos, Einräder, Torwände und Fußbälle sowie eine mobile Tischtennisplatte angeboten. In Planung ist auch ein Bauwagen als Treffpunkt für die Jugendlichen, die in der Siedlung groß geworden sind.

Dass freies Spielen die kindliche Entwicklung fördert, zeigte bereits 1993 eine Studie der Universität Bayreuth, die zwei Wohneinheiten – eine mit und eine ohne Autoverkehr – in Nürnberg Langwasser untersuchte. „Und das merkt man auch hier“, sagt Kleinmann. „Die Kinder werden früher selbständig, sie spielen mehr draußen und die Eltern müssen keine Angst vor vorbeifahrenden Autos haben.“ Das gemeinsame Spielen im Freien bringt oft neue Freundschaften für die Kinder und eine gute Kommunikation zwischen den Eltern mit sich. Wer Glück hat, ergattert einen Platz in der Kita, die direkt an die Siedlung angrenzt– und kann die Kinder dann ganz sorgenfrei auch mal alleine und selbständig dort hingehen lassen.

Text: Marcella Müller

  • Spielerisch mobil sein. Platz und Fahrzeuge sind vorhanden. Foto: Kleinmann
  • Gokarts, Einräder, Torwand und Fußbälle können die Kinder ausleihen. Foto: Kleinmann
  • Hans-Georg Kleinmann ist Sprecher des Arbeitskreises autofreie Siedlung Köln e.V.

Fotos: Nachbarn60 e.V., Foto von Hans-Georg Kleinmann: Marcella Müller

Kontakt:

Nachbarn60 e.V.,
Hans-Georg Kleinmann,
Tel.: 0163 – 627 47 22,
Email: info@nachbarn60.de

Mehr Informationen:
www.nachbarn60.de,
www.autofreie-siedlung-koeln.de

 

Erwähnte Studie: Margit Nützel: „Nutzung und Bewertung des Wohnumfeldes in Großwohnsiedlungen am Beispiel der Nachbarschaften U und P in Nürnberg-Langwasser“, Hrsg. Prof. Dr. Rolf Monheim; Reihe: Arbeitsmaterialien zur Raumordnung und Raunplanung, Heft 119; Universität Bayreuth, 1993, Abteilung Angewandte Stadtgeographie, Fachgruppe Geowissenschaften.