Soest

  • Alte Hansestadt im Herzen Westfalens, etwa 50 km östlich von Dortmund
  • Rund 49.000 Einwohner
  • Anteil Kinder und Jugendliche an der Gesamtbevölkerung: 17,1 Prozent

Die Stadt Soest hat sich mit der Präambel zum strategischen Zukunftsprogramm „Soest 2030 – nachhaltig zukunftsorientiert“ verpflichtet, dass Kinder, Familien/Eltern und Jugendliche im Vordergrund kommunalpolitischen Handelns stehen sollen. Nicht verwunderlich also, dass der 2016 neu aufgestellte Verkehrsentwicklungsplan das Thema Mobilität von Kindern in den Fokus rückt.

Für einzelne Bereiche in Soest gibt es schon jetzt Schulwegpläne. Damit können Kinder und Jugendliche ihren eigenständigen Fuß- oder Radweg zur Schule planen. Wer sich am liebsten in der Gruppe auf den Weg zur Schule macht, kann an mehreren Soester Grundschulen beim „Walking Bus“ mitlaufen. Wie ein Linienbus läuft der Walking Bus verschiedene Haltestellen nach „Gehplan“ an und holt dort wartende Kinder ab. Neben bereits etablierten Beteiligungsverfahren werden Kinder und Jugendliche bei zielgruppenspezifischen Planungen wie z.B. Spielplätzen oder Skateranlage einbezogen.

Auch im Wallentwicklungskonzept der Stadt werden die Belange von Kindern berücksichtigt. Die ehemalige Festungsanlage mit der alten Stadtmauer, der Gräfte und den ehemaligen in Teilen unbebauten Schussfeldern umgibt die Altstadt heute noch zu zwei Dritteln. Die frühere Wehranlage ist seit etwa 200 Jahren ein fester Bestandteil des öffentlichen Raumes und übernimmt eine wesentliche Rolle zur Naherholung in der Soester Innenstadt. Neben einer Vielzahl an Teilmaßnahmen soll auch eine Sitz- und Spielroute innerhalb der Gräfte entstehen, der Spielplatz erneuert werden und ein so genanntes Bewegungsfeld angeboten werden.

Ziel der Stadt Soest ist es, die eigenständige und sichere Mobilität von Kindern zu ermöglichen, zu fördern und die Aufenthaltsqualität im Freien für Kinder und Jugendliche zu erhöhen. Das im Februar 2015 erarbeitete Zielkonzept des Verkehrsentwicklungsplans umfasst sichere Schulwege, verträgliche Straßenräume für Alle und die weitere Erhöhung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum.

Mit der Teilnahme an der Kampagne „Mehr Freiraum für Kinder – ein Gewinn für alle!“ und mit Hilfe der individuellen Unterstützung durch das Büro STADTKINDER möchte die Stadt Soest ein Konzept entwickeln, das sich als allgemeine Grundlage für die Gesamtstadt eignet.

Der Auftaktworkshop fand am 29.09.2016 im Rathaus der Stadt Soest statt. Ziel war es, dass sich die insgesamt sieben Teilnehmer/innen aus verschiedenen Bereichen der Stadtverwaltung – darunter aus den Abteilungen Stadtentwicklung und Bauordnung, Jugend und Soziales, Schule und Sport, der Straßenverkehrsbehörde und den kommunalen Betrieben Soest (KBS) – miteinander vernetzen und gemeinsam Themen, Qualitäten und konkrete Projekte für die Umsetzung der Kampagne „Mehr Freiraum für Kinder – ein Gewinn für alle!“ erarbeiten. Unterstützt wurden sie dabei von zwei Beratern des Planungsbüros STADTKINDER.

Um zunächst eine Übersicht über den aktuellen Stand zu erhalten, erstellten die Teilnehmenden eine Liste einer Auswahl von bestehenden, aktuellen und geplanten Projekten mit Bezug zu Kindern und Jugendlichen. Anschließend befassten sie sich mit Qualitäten zu den Themen Verkehr & Mobilität, Grün- & Freiräume, Spiel & Sport, Wohnumfeld & Öffentlicher Raum sowie Beteiligung & Zuständigkeiten in Soest. Mithilfe von Klebepunkten bewerteten sie die für sie wichtigsten Qualitäten.

Dazu gehörten u.a. die temporäre Nutzung des Straßenraums für Spiel, Bewegung und Begegnung; die variantenreiche Gestaltung von öffentlichen Räumen, z.B. durch wegbegleitende Balancierelemente und andere bespielbare Elemente; die bessere Vernetzung von Fuß- und Radwegen; die Nutzung von Grünflächen für den Aufenthalt im Freien; die Entwicklung neuer Sportangebote für Jugendliche, z.B. für die Trendsportarten Parkour, Slackline, Bouldern oder BMX-Fahren; die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Planungsprozessen.

Anschließend erfolgte eine Diskussion über die verschiedenen bestehenden Projekte, um diese mit den erarbeiteten Qualitäten in Soest zu verbinden. Ein gutes Beispiel wäre hierfür die Integration von Qualitäten in die Freiraumgestaltung neuer Quartiere, wie z.B. die Adam-Kaserne und der Theodor-Heuss-Park. Die Sitz-/Spielroute Brüderstraße hat sich auch aufgrund des Spannungsfeldes zwischen Interessen von Einzelhändlern, Jugendlichen, Kindern und Älteren als eine gute Möglichkeit für eine beispielhafte und gemeinsame Beteiligung von unterschiedlichen Altersgruppen herauskristallisiert. Die Umsetzung im Rahmen dieser Beispielprojekte bedarf weiterer Gruppenarbeit zur Konkretisierung.

Im Rahmen der Kampagne findet zudem ein Ortsteilwettbewerb statt: In den drei größten Ortsteilen Ampen, Deiringsen und Ostönnen sollen Ideen entwickelt und in 2017 umgesetzt werden, die sich an den Zielen der Kampagne orientieren. Dabei geht es vorrangig um die selbständige Mobilität von Kindern und Jugendlichen. Der gesamte Ortsteil soll als Spiel- und Lebensraum betrachtet werden, Spielplätze spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Unterstützung erhalten die Ortsteile vom Planungsbüro STADTKINDER. Die Stadt Soest fördert die Umsetzung der Konzepte im Sinne der Kampagne in den drei Ortsteilen mit insgesamt 15.000 €. Die entwickelten Konzepte werden auf Elemente zur Übertragbarkeit auf die Gesamtstadt geprüft und bilden damit eine Grundlage des gesamtstädtischen Konzepts.

Aktionstag in Ampen

Ampen ist einer der drei Soester Ortsteile, die am Ortsteilwettbewerb im Rahmen der Kampagne „Mehr Freiraum für Kinder. Ein Gewinn für alle!“ teilnehmen.

Am 29. Juni 2017 fand in Ampen ein Aktionstag statt: Einen Vormittag lang wurde die Straße „Am Hellweg“ gesperrt, in der sich die Hellweg-Grundschule und das Familienzentrum Kleeblatt befinden. Insgesamt 270 Kinder eroberten die Straße für verschiedene Aktionen: Malen, Theaterspiel und Sicherheitstraining mit der Polizei.

Die Kinder konnten gefahrlos und entspannt zur Schule gehen. Obwohl viele Eltern ihre Kindern nicht wie gewohnt bis vor den Schuleingang fahren konnten, reagierten sie positiv auf die Aktion und lobten die Organisatoren. Die Aktion hat gezeigt: Mehr Freiraum für Kinder schafft viel mehr Sicherheit.

Ortsteilwettbewerb: Alle drei Ortsteile überzeugen mit kreativen Konzepten

Im Rahmen der Kampagne „Mehr Freiraum für Kinder. Ein Gewinn für alle!“ startete im Oktober 2016 ein Ortsteilwettbewerb zwischen den drei größten Soester Ortsteilen Ampen, Deiringsen und Ostönnen. Ziel war es, mit Unterstützung des Planungsbüros STADTKINDER Konzepte zu entwickeln, die sich an den Zielen der Kampagne orientieren und Ideen für eine kinderfreundliche Stadtplanung beinhalten, die in 2017 umgesetzt werden können. Die Konzepte sollten außerdem Elemente zur Übertragbarkeit auf die Gesamtstadt enthalten und damit eine Grundlage für das gesamtstädtische Konzept bilden. Die Stadt Soest fördert die Umsetzung der Konzepte im Sinne der Kampagne in den drei Ortsteilen mit insgesamt 15.000 €.

Das Abgabedatum der Konzepte war der 30.11.2016. Die Jury aus Vertretern der Stadtverwaltung, Mitarbeitern des Planungsbüros STADTKINDER sowie des Zukunftsnetzes Mobilität war von der umfangreichen Arbeit, der Kreativität der Ortsteile und der bereits durchgeführten Beteiligung in allen drei Ortsteilen beeindruckt. In allen drei Ortsteilen wurden die Bewohner eingebunden und sollen weiterhin eingebunden werden. Inhaltlich passen alle drei Konzepte zu den Zielen der Kampagne. Deshalb beschloss der Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Soest am 9. Februar 2017, jedem Ortsteil ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro zur Umsetzung der Konzepte zu verleihen.

Die Jury regte unter Berücksichtigung der vorhandenen Gesamtmittel je Ortsteil konkrete Punkte zur Weiterentwicklung der Projektideen an.

Der Verstetigungsworkshop fand am 01.12.2017 im Rathaus Soest statt. Unter den insgesamt zwölf Teilnehmenden waren unter anderem Herr Beyer, zuständig für die Stadt- und Verkehrsplanung, Herr Raulf von der Straßenverkehrsbehörde sowie andere VertreterInnen der Stadtverwaltung, z. B. vom Jugend- und Sozialamt. Daneben standen Frau Spiertz vom Zukunftsnetz Mobilität NRW sowie Frau Schulte und Frau Hüls vom Planungsbüro STADTKINDER den Teilnehmenden beratend zur Seite.

Die Teilnehmenden betrachteten nach einer Begrüßung durch Herrn Beyer zunächst den Ortsteilwettbewerb (siehe Menüpunkt „Laufende Aktivitäten“), denn Ziel der Veranstaltung war die Reflexion des Ortsteilwettbewerbs und darüber hinaus Überlegungen aufzustellen für eventuelle Folgeveranstaltungen.

Die Teilnehmenden hatten u.a. folgende Anmerkungen zum Ortsteilwettbewerb:

  • Alle Ortsteile veranstalteten Aktionstage und führten Maßnahmen für höhere Verkehrssicherheit durch.
  • Kinder und Jugendliche sowie die Jugendhilfe und andere Einrichtungen sollten weiterhin stärker einbezogen werden
  • Ebenfalls sollten alle anwesenden Ämter stärker einbezogen werden
  • Grundsätzlich ist die Weiterführung der Aktionstage gewünscht!

Für kommende Aktionstage nannten die Teilnehmenden einige Ideen und Aspekte:

  • Spielstraßen auf Zeit sind möglich
  • Für mehr Einbindung der Kinder in den Prozess wäre eine Jury mit Kindern und Jugendlichen denkbar
  • Ein stärkerer Fokus soll auf die Öffentlichkeitsarbeit gelegt werden
  • Aktionstage könnten jährlich stattfinden

Ein Konzept soll bis Ende des Jahres erstellt werden und im Februar 2018 dem Stadtentwicklungsausschuss vorgelegt werden. Die Verkehrsplanung wird Kinder und Jugendliche in Zukunft stärker in Projekte und Planungen einbeziehen.

Hier gibt es das Konzept der Stadt Soest zum Download

Stadt Soest, Abteilung Stadtentwicklung und Bauordnung

Axel Beyer

Windmühlenweg 21

59494 Soest Tel.: 02321/1033028

Email: a.beyer@soest.de